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Fünf Jahre lang hatte ich mich mit Spike, einem Am. Staffordshire-Rüden aus dem Tierheim, durch die Sonnen- und Schattenseiten des Hunde- und Hundehalterlebens  gekämpft. Nach seinem Tod war schnell klar, dass ich ohne Hund nicht sein konnte. Nur diesmal sollte es ein Hund sein, der frei laufen und überall dabei sein durfte und über den sich die Menschen freuen. Als Kopf-mensch wälzte ich Bücher und entschied mich für: Großpudel,  am liebsten in braun. Nun galt es einen guten Züchter zu finden, denn ich wollte einen Welpen und von Anfang an alles richtig machen. Dank Internet fand ich die Seite pudelparadies.org und das Schicksal nahm seinen Lauf:

Am 10.11.2006 besuchte ich mit meiner Freundin Hanne zum ersten Mal Verena Leuenberger in Frankreich. Der erste Kontakt bleibt mir unvergesslich: am Gartentor warteten 5 imposante Großpudel  (Gossip, Embla, Favor, Imma und Locke) und begrüßten uns mit einer Begeisterung als wären wir alte und geschätzte Freunde! Wir gingen gemeinsam spazieren,  wurden zum Tee eingeladen und redeten.  Kein Welpe, sondern die fast 7 Jahre alte Embla fuhr mit mir am 16.12.2006 nach Deutschland, nachdem ich einige Tage bei Verena verbracht habe.

Embla! Wie kann man sie beschreiben? Gesegnet mit einem unerschütterlichen Vertrauen in alle Menschen. Umgeben von einer „Aura“ aus Freundlichkeit, Friedlichkeit, Gelassenheit. Mit einem ganz speziellen Selbstbewusstsein: sie machte alles mit, war etwas dabei, was ihr missfiel, tat sie es trotzdem aber mit einem Blick, der alles sagte und einen oft beschämt dastehen ließ. Embla war mein Herzensöffner, mein Kontakter, mein Fels in der Brandung.  War ich gereizt und gestresst, zwang sie mich zum Innehalten und Nachdenken. Dabei blieb sie immer etwas distanziert. Mit ihr konnte man überall hin. Mit ihr spazieren zu gehen war pure Entspannung. Sie vertrug sich mit jedem Hund und kam mal ein unverträgliches Exemplar erkannte sie dies immer im Vorfeld und unterließ den Kontakt. Sie ließ sich nie provozieren. Fressen war ihre ganz große Leidenschaft aber Futterneid kannte sie nicht.

Im größten Trubel konnte sie abschalten. Sie konnte regungslos warten (ein Traum beim Scheren und Schneiden). Sie konnte lachen, sie konnte „reden“. War ich beim Spazieren gehen gedanklich abwesend, apportierte sie aus eigenem Antrieb Abfall, um mich aufmerksam zu machen…. Beim Trinken badete sie immer gleich das ganze Kinn. Wir spielten uns durch das große Angebot an interaktivem Spielzeug. Wasser war nicht ihr Element. Nach einem guten Essen warf sie sich auf den Rücken und strampelte wie ein Käfer. Jeden Abend (auf die Einhaltung dieses Rituals bestand Embla) wurden 1-2 Hokamix-Snacks in dünne Scheiben geschnitten und in der Wohnung versteckt. Sie fand sie immer alle. Sie war nicht wirklich sportlich aber enorm ausdauernd. Bergauf war sie unschlagbar. Bis zu Ihrem Tod meisterte sie unsere Treppe ins 3. Obergeschoss.

2007 stellte sich der Verdacht einer Tierärztin auf Herzfehler als Irrtum heraus. Als sie sich Anfang 2008 beim Rumtollen verletzte (in ein Mauseloch getreten) konnten wir eine OP mit Physiotherapie vermeiden (Physiobehandlungen haben wir halb/vierteljährlich vorsorglich beibehalten). Ende 2008 wurde ein Epulus im Oberkiefer (und Zahnstein)  entfernt. Sonst hat Embla den Tierarzt nur noch zum Impfen gesehen! Embla wurde mit selbstgemachtem Futter (roh und gekocht) ernährt.

Nach der Mauselochgeschichte besorgte ich eine Hunderampe fürs Auto. Als Embla 12 Jahre alt war kam ihre damals 6 Jährige Tochter Locke zu uns. Um Locke gerecht zu werden schaffte ich einen Hundebuggy an, damit Embla bei langen Spaziergängen nicht überfordert wird aber immer dabei sein kann.

Bis ca. 13 ½ war Embla bestens aufgestellt. Kurz nach ihrem 14. Geburtstag begann Embla dann immer orientierungsloser zu werden. Sie fraß nur noch sehr wenig, magerte ab und wurde immer schwächer. Ich hatte mir so sehr gewünscht, dass sie daheim einschlafen darf. Aber ihr vermeintlich krankes Herz war stärker als ihr „Geist und Körper“. Als ich  für sie keine Lebensqualität mehr erkennen konnte, habe ich sie schweren Herzens erlösen lassen. Embla hatte ein langes und erfülltes Leben. Alles was ich für sie tun konnte, hat sie mir vielfach zurückgegeben. Ich stehe tief in ihrer Schuld und mein Dank gilt Verena, die mir dies alles ermöglicht hat.


Esslingen, März 2014

Katrin Weinert mit Locke


                 Embla mit ihrer Urenkelin O Quam Bonus 2009



Vorne Embla mit ihrer Tochter Locke, April 2007